Braunkohle – Der dreckigste Energieträger

Täglich berichten die Medien über Rodungen und Abforstungen riesiger Forstflächen, die für den Braunkohleabbau weichen müssen, aktueller Brennpunkt, der Hambacher Forst. In Deutschland wird nach wie vor Braunkohle abgebaut und gefördert, bis heute ist noch kein Ausstieg gelungen. In naher Zukunft ist so schnell kein 100%iger Ausstieg absehbar, der Energieversorgungskonzern RWE setzt nach wie vor auf den Tagebau. Warum erklären Kohlegegner die Braunkohle zum „dreckigsten Energieträger“ und was bedeutet das?


Was ist Braunkohle?

Braunkohle oder früher auch Turff genannt ist ein bräunlich-schwarzes, meist lockeres Sedimentgestein, das durch Druck und Luftabschluss von organischen Substanzen entstand. Diesen Vorgang nennt man Inkohlung, welcher ein natürlicher Vorgang oder hydrothermale Karbonisierung (industrietechnisches Verfahren) ist. Braunkohle ist ein fossiler Brennstoff, der zur Energieerzeugung verwendet wird. Rohbraunkohle besitzt etwa ein Drittel des Heizwertes von Steinkohle, was etwa 8 MJ oder 2,2 kWh pro Kilogramm entspricht. Aufbereitete Braunkohle hat ungefähr zwei Drittel des Heizwerts von Steinkohle. Von aufbereiteter Kohle spricht man dann, wenn diese einem Trocknungsprozess unterzogen wurde.

Die Vorkommen in der Lausitz und im Rheinland sind zwischen fünf und 25 Mio. Jahre alt. Wo sich heute Schaufelradbagger Hunderte Meter tief in die Erde wühlen, standen einst Moore und Wälder, die im Lauf der Erdgeschichte immer wieder von Sedimenten überdeckt wurden. Während die hochwertigste Steinkohle, das Anthrazit, welches wiederum fast vollständig aus Kohlenstoff besteht, enthält Rohbraunkohle mehr als 50 Prozent Wasser.

Und genau hier finden wir die Antwort auf die gestellte Frage. Durch diese Faktoren besitzt die Braunkohle einen sehr geringere Heizwert und erzielt somit auch schlechte Ergebnisse bei der Verbrennung, dabei entsteht mehr als doppelt so viel CO2 wie beim Verbrennen von Erdgas.


Wie „dreckig“ ist Braunkohle?

Gut 90 Prozent der Braunkohle wird zur Stromerzeugung verwendet, dabei wird die aufbereitete Kohle in speziellen Kraftwerken verbrannt. Der Anteil der Braunkohle sank zwar im Vergleich zum Steinkohle in den vergangenen Jahren, aber nicht schnell genug behaupten Kritiker.

Was macht die Braunkohle so schädlich für uns und unsere Umwelt? Bei der Verbrennung von Braunkohle gelangen Schwermetalle, Quecksilber, Feinstaub und Dioxine in die Umwelt. Der bräunliche Stoff setzt beim Verbrennen pro Kilowattstunde erzeugten Stroms besonders große Mengen Klimagase frei. Vor allem wird Kohlendioxid freigesetzt, das wichtigste Klimagas. Zusätzlich werden Schadstoffen wie Quecksilber, Stickoxide, Blei oder Arsen freigesetzt.

Die Emissionen von Steinkohle im Kraftwerksbetrieb, mit den übrigen Klimagase eingerechnet, belaufen sich pro Kilowattstunde auf 790 und 1080 Gramm CO2. Bei der Braunkohle sind es  immerhin 980 bis 1230 Gramm. Zum Vergleich: In einem effizienten Gaskraftwerk verbrennt Gas mit rund 420 Gramm CO2 pro kWh. Der Grund für die enorme Klimaschädlichkeit der Braunkohle liegt in ihrer Entstehung und den resultierenden geringen Heizwert.

Vier der fünf größten CO2-Schleudern Europas stehen auf deutschem Boden. Darunter die RWE-Braunkohlekraftwerke Neurath, Niederaußem und Weisweiler. Diese sind schon von weitem an den Wasserdampfschwaden der Kühltürme zu erkennen.


Braunkohle Ausstieg

Die folgende Grafik zeigt gut, dass die Braunkohle noch immer einen beträchtlichen Anteil an der gesamten Stromerzeugung in Deutschland hat. Obwohl der Anteil schon deutlich weniger geworden ist, liegt die Beteiligung 2017 immerhing noch bei rund 23%. Umweltschützer fordern einen schnellstmöglichen Ausstieg und die Grünen wollen bis spätestens 2030 das letzte Kraftwerk abgeschaltet haben. Vertreter der Braunkohlebranche, wie die Industrie, wollen diesen bis weit nach 2050 verzögern.

Quelle / Urheber: Statista GmbH

Der einzige Vorteil der Braunkohle ist der geringe Erzeugungspreis und das hält auch den Strompreis für die Endkunden niedrig. Allerdings belaufen sich laut Umweltbundesamt die Gesamtkosten für die Kraftwerke auf rund 46 Milliarden Euro im Jahr. Gemeint sind Kosten für die Gesellschaft, denn die Kohlekraftwerke pusten nicht nur klimaschädliches CO2 in die Luft, sondern auch andere Schadstoffe wie beispielsweise Quecksilber oder Feinstaub. Astrid Matthey vom Umweltbundesamt behauptet: „Es steht halt nicht an jedem Fall von Asthma oder Herzkreislauferkrank dran‚ zu 40 Prozent erzeugt durch Braunkohleverstromung“.

Die Braunkohlebranche ist für die Hälfte der CO2- Emissionen der Stromerzeugung verantwortlich. Die Schwermetalle sind schlecht für Mensch und Natur. Hinzu kommen die großen Eingriffe in die Umwelt und die Rodung von großen Flächen an Wäldern – bestes Beispiel ist aktuell der Hambacher Forst.

Ein Problem beim 100%igen Ausstieg von Kohlekraftwerken würde die Versorgungssicherheit darstellen. Weil sich erneuerbare Energien noch nicht gut speichern lassen, befürchten Experten beim Kohleausstieg vermehrt Stromausfälle. Kohleausstiegs-Befürworter wollen als Übergangslösung ungenutzte Gaskraftwerke reaktivieren bis die Stromerzeugung durch erneuerbare Energien soweit ausgebaut ist.

Im Braunkohletagebau verdienen knapp 21.000 Menschen ihr Geld und zusätzlich sind noch deutlich mehr indirekt von Braunkohle abhängig. Ein schneller Ausstieg aus der Braunkohle würde vor allem das Rheinland und die Lausitz treffen. Allerdings werden bis zu einem möglichen Ausstieg im Jahre 2030 schon etwa 2/3 der Beschäftigten im Ruhestand. Die restlichen Arbeitsplätze würden in der zukunftsweisenden Industrie sowieso benötigt werden. Im Bereich der erneuerbaren Energien arbeiten in Deutschland rund 300.000 Menschen – Tendenz steigend!


Fazit

Sollte Deutschland seine Klimaziele jemals erreichen wollen, so müssen über kurz oder lang zusätzlich zur Atomenergie auch die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden.

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